Volksfeste in der Schweiz

Ich werde euch an dieser Stelle ein paar Feste in der Schweiz vorstellen. Denn eines muss ich sagen, die Schweizer wissen auf jeden Fall wie man feiert.

Albanifest

Bei dem Albanifest handelt es sich um ein Altstadtfest in Winterthur, welches jährlich stattfindet und das seit 1971, immer am letzten Wochenende im Juni. Bis jetzt kamen jährlich ca. 100’000 Besucher. Neben diversen Konzerten, Fest/ Chilbibahnen und Ständen werden jedes Jahr auf’s Neue verschiedenste Special Events angeboten. Das Fest erstreckt sich über die gesamte Altstadt von Winterthur. Der Name “Albanifest” stammt vom Namensgeber St. Alban. Er ist einer der drei Winterthurer Stadtheiligen, die zwei anderen sind Sankt Laurentius und Sankt Pankratius.

Warum gibt es dieses Fest? Nun ja, es hängt mit der Übergabe des Stadtrechtsbrief an Winterthur am 22. Juni 1264 zusammen. Am Tag der Sonnenwende (21. Juni) wurde durch die Stadt, dass so genannte Albanimahl festgelegt um so den Geburtstag der Freiheit für Winterthur zu feiern. Das Albanimahl bestand aus Wein, Käse, Brot, Musik und dazu wurde fleissig getanzt. 1874 wurde es dann vorerst letztmalig durchgeführt, da die Stadt kein Geld mehr hatte den Wein für so viele Besucher aufzubringen. 1971 wurde dann wieder ein Albanifest durchgeführt, welches ab da ziemlich schnell wuchs und sich immer grösserer Beliebtheit erfreute.

Kurz gesagt:

  • 117 Festwirtschaften und Restaurants
  • 50 Tanz- und Unterhaltungsorchester
  • 95 Vereine, Clubs und Gesellschaften
  • viele Unterhaltungs-, Chilbi- und Verkaufsstände
  • etliche Clubs mit Livemusik aus den verschiedensten Sparten der Musik

Verkehr:

  • es gibt ein gut ausgebautes Verkehrsnetz, vor allem auch in der Albanifest- Nacht
  • für alle Autofahrer ist es recht schwierig, da während dieser Tage die Durchfahrt sowie die Parkmöglichkeiten ziemlich beschränkt sind

Albanifest- Button:

  • ist das Festabzeichen und ermöglicht freie Fahrt auf das Stadtgebiet
  • es entfällt der Nachtzuschlag auf dem ZVV- Verbundnetz sowie allen Nachtzügen ab Winterthur

Basler Herbstmesse

Die Basler Herbstmesse ist ein jährlich stattfindender Jahrmarkt in Basel und seine Wurzeln gehen bis ins Mittelalter zurück. 1471 verlieh Kaiser Friedrich der III der Stadt Basel das Privileg jährlich 2 grosse Handelsmessen durchzuführen. Eine Messe vor Pfingsten und eine im Herbst. Die Frühjahrsmesse hatte nicht lange Bestand, die Herbstmesse dagegen blieb ohne Unterbrechung bis heute erhalten. Heute ist sie damit der älteste Jahrmarkt der Schweiz und auch der grösste zwischen Stuttgart und Mailand.

Kurz gesagt:

  • beginnt immer am letzten Samstag im Oktober
  • Punkt 12 Uhr wird die Herbstmesse mit dem Messglöcklein in Martinsturm eingeläutet
  • auf sechs Plätzen der Stadt Basel beginnt dann der Festbetrieb oder eben auch Chilbi genannt
  • gleichzeitig öffnen alle Marktstände auf dem Petersplatz und in den Hallen der Messe Basel beginnt die Warenmesse
  • die Herbstmesse in Basel dauert 16 Tage und die Marktstände auf dem Petersplatz haben noch 2 Tage länger geöffnet

Fête des Vignerons

Die Fête des Vignerons ist ein berühmtes Winzerfest in der Stadt Vevey im Schweizer Kanton Waadt und findet alle 25 Jahre statt. Der Ursprung dieses Festes geht auf Mitte des        13. Jahrhundert zurück. Damals haben die Mönche von Haut- Crêt bei Oron angefangen gute Winzer zu belohnen, um deren Ehrgeiz anzuspornen. Am Anfang wurden die Winzer nach gemachter Arbeit mit einem einfachen Mahl und natürlich Wein gestärkt. Mit der Zeit entwickelte sich ein echtes Schauspiel, welches immer mehr Zuschauer anlockte. Dreimal jährlich besuchen die Experten der Zunft die Weinberge und benoten dann das Werk der Rebarbeiter. 5 Mal pro Jahrhundert werden die Rebarbeiter gefeiert und belohnt, d.h. einmal pro Generation.

Für die Fête des Vignerons wird eine grosse Arena auf der Grande Place, dem zweitgrössten Marktplatz Europas (nach Lissabon) aufgebaut. Diese bietet Platz für 16’000 Zuschauer. Die letzten sechs Feste fanden 1889, 1905, 1927, 1955, 1977 und 1999 statt.

Knabenschiessen

Das Knabenschiessen ist ein Volksfest, welches Mitte September und immer am Wochenende vor dem Buss- und Bettag gefeiert wird. In diesem Jahr findet es am 12.-14.9.2009 auf dem Schiessplatz Albisgüetli statt.

1889 tauchte dieses Volksfest zum ersten Mal auf. Etwa 5000 Knaben im Alter von 13- 17 Jahren kämpften um den Titel des Schützenkönigs. Ab dem Jahr 1991 sind auch Mädchen zugelassen. Teilnehmen dürfen alle Jugendlichen die im Kanton Zürich wohnen und / oder zur Schule gehen. 12 CHF müssen als Startgeld bezahlt werden und beinhalten Munition sowie eine Bratwurst. Der Schützenkönig oder die Schützenkönigin erhält ein Preisgeld, weitere Schützen der vorderen Ränge erhalten Waren vom Gabentisch. Der Schiesswettkampf findet vom Samstag bis Montag statt.

In der Stadt Zürich ist der Knabenschiessen- Montag ein halber Feiertag (nicht gesetzlich anerkannt). Viele Geschäfte sind daher ab 13 Uhr geschlossen, die Schüler haben den ganzen Tag schulfrei.

Konstanzer Seenachtfest

Das Konstanzer Seenachtfest ist eines der grössten Seefeuerwerke Europas sowie das grösste Volksfest am Bodensee. Seit 1949 findet es als gemeinsame Veranstaltung der deutschen Stadt Konstanz und der Schweizer Stadt Kreuzlingen statt. Das Konstanzer Seenachtfest findet immer am zweiten August- Wochenende statt.

Zibelemärit

Auf gut Deutsch nennt es sich Zwiebelmarkt und ist ein Jahrmarkt mit Volksfestcharakter. Der Zibelemärit findet jährlich am 4 Montag im November in Bern statt.

Es gibt verschiedene Theorien über die Enstehung. Eine davon ist, dass der Markt Mitte des 19. Jahrhunderts enstanden sein soll. Ab da kamen Bäuerinnen aus dem Seeland und Kanton Freiburg mit Gemüse nach Bern.

Die andere Theorie führt den Markt auf einen Stadtbrand von 1405 zurück. Als Dank an die Freiburger, die nach dem Feuer grosse Nachbarschaftshilfe geleistet haben, soll dieser Markt dann entstanden sein.

Oder aber beruht es darauf, dass die Freiburger das Marktrecht aufgrund der Waffenhilfe von 1474 bis 1477  bei den Burgunderkriegen erlangt hatten?

Wie auch immer, nichts genaues weiss man nicht.

Heute dreht sich auf dem Zibelemärti fast alles um die Zwiebel, wie z.B. Zwiebelzöpfe, Zwiebelkuchen und -pizza, Zwiebelsuppe, Ziergegenstände aus Zwiebeln und vieles mehr.

Schweizer Nationalfeiertag

Der Tag wird in der gesamten Schweiz am 1. August gefeiert. Seinen Ursprung hat er aus dem Jahr 1291 und gedenkt den Bundesbrief.

An diesem Tag trafen sich im Jahr 1291 die Vertreter der Kantone Uri, Schwyz und Unterwalden auf der Rütli-Wiese am Vierwaldstättersee und schworen einen “Ewigen Bund” zur gegenseitigen Hilfeleistung und Unterstützung, den berühmt-berüchtigten Rütli-Schwur. Die Confoederatio Helvetica war geboren.

Was einst aus der Auflehnung gegen die Habsburger heraus geschah, wird seither Jahr für Jahr am 1. August gebührend gefeiert. Gebührend heisst, es werden Fahnen und Fähnchen gehisst (mit Landes-, Kantons-, Gemeinde- und/oder anderen Symbolen), Lampions aufgehängt, Windlichter aufgestellt, Feiern veranstaltet (natürlich auch auf der Rütli-Wiese) usw.!

Und abends, mit Einbruch der Dunkelheit beginnt man dann den Jahresvorrat an Feuerwerkskörpern in die Luft zu jagen.
Eine beeindruckende Kulisse bilden die Berge mit Bergfeuern und in der Innerschweiz gibt es dann riesige Schweizer Kreuze an steilen Bergwiesen, die aus brennenden Fackeln bestehen und ins Tal herab leuchten.

Seit dem 1. Juli1994 ist der Schweizer Nationalfeiertag auch ein arbeitsfreier Tag und um 20 Uhr läuten dann in der gesamten Schweiz während einer Viertelstunde alle Kirchenglocken. Das ist sehr beeindruckend für mich gewesen, als ich das zum ersten Mal miterleben durfte.

Sechseläuten

Auf Züridüütsch “Sächsilüüte”, ist ein Frühlingsfest in Zürich. Es findet jährlich an einem Montag Mitte April statt. Im Mittelpunkt des Festes steht der Böögg, ein künstlicher Schneemann, der den Winter symbolisiert. Und alle warten ganz gespannt auf seine Verbrennung und damit auch darauf, wie der kommende Sommer wohl wird.

Es gibt während des Festes mehrere Umzüge, wie z.B. den Kinderumzug. Der Kinderumzug findet am Sonntag Nachmittag vor dem Sechseläuten statt. Da können dann alle Kinder zwischen 5 und 15 teilnehmen. Voraussetzung dafür ist, dass eine Uniform oder Tracht getragen wird. Jährlich nehmen ca. 2000- 2500 Kinder teil, die dann von 800 Musikanten aus Jugendmusikkorps aus der Region Zürich begleitet werden.

Dann gibt es noch den Umzug der Zünfte, welcher dann am Sechseläuten- Montag stattfindet. Rund 3500 Zünfter werden dann von rund 50 (ausschliesslich von Pferden gezogene) Wagen und 30 Musikkorps zum Sechseläutenplatz gebracht, wo dann die Verbrennung des Bööggs stattfindet. Alle Zünfter haben farbenfrohe Kostüme, Trachten und Uniformen an und marschieren urch die Bahnhofstrasse und das Limmatquai zum Sechseläutenplatz beim Bellevue.

Böögg- Verbrennung

Seit 1902 wird der Böögg verbrannt und das immer um 18 Uhr. Dieser steht auf einem grossen Scheiterhaufen. Wenn der Böögg dann brennt reiten die Reitergruppen der verschiedenen Zünfte drei Mal um den Böögg. Der Böögg ist mit Feuerwerkskörpern gefüllt und je schneller er den Kopf verliert desto schöner soll der anschliessende Sommer werden.
Danach gesellen sich hunderte Personen auf die Sechseläutenwiese, holen sich mit Schaufeln etwas Glut und grillieren dann ihr mitgebrachtes Grillgut. Das ist eine richtige Tradition geworden und sorgt für eine tolle Atmosphäre.

Züri Fäscht

Da muss ich gleich zu Anfang etwas anmerken. Als ich damals so ca. ein gutes Jahr in der Schweiz war, hiess es, bald ist wieder “Züri Fäscht”. Ein Bekannter meinte dann nur zu mir, komm lass uns auf’s grösste Fest der Welt gehen :) . Ich habe ihn ausgelacht. Es ist zwar nicht das grösste Fest der Welt, aber es war toll und an dieser Stelle nochmal “DANKE DAFÜR”!

Das Züri Fäscht ist jedoch das grösste Volksfest der Schweiz und findet alle drei Jahre am ersten Juliwochenende statt. 1951 wurde das Züri Fäscht erstmals durchgeführt.
Das nächste Mal ist es am 2.- 4. Juli 2010 wieder soweit. Dann steht wieder ganz Zürich auf dem Kopf und erwartet rund 2 Millionen Besucher.

Es gibt zahlreiche Attraktionen zu Land, zu Wasser und in der Luft. Freitags und samstags finden am Abend jeweils Feuerwerke statt, die echt gigantisch sind.

Also lasst euch überraschen und viel Spass! Vielleicht sieht man sich :)

4 Responses to “Volksfeste in der Schweiz”

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